{"id":20424,"date":"2015-03-09T17:16:56","date_gmt":"2015-03-09T16:16:56","guid":{"rendered":"https:\/\/cbrava.com\/?page_id=20424"},"modified":"2015-04-07T18:22:06","modified_gmt":"2015-04-07T16:22:06","slug":"die-schlossbibliothek-von-peralada","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cbrava.com\/de\/magazine\/die-schlossbibliothek-von-peralada\/","title":{"rendered":"Die Schlossbibliothek von Peralada"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-20402\" src=\"https:\/\/cbrava.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/biblio-peralada1.jpg\" alt=\"biblio-peralada1\" width=\"216\" height=\"248\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cbrava.com\/de\/tourismus\/peralada-mittelalterliche-stadtchen\/\">Peralada <\/a>ist nicht nur ein Ort der Zerstreuung mit Casino oder Golfplatz, es beherbergt auch im ehemaligen Karmeliterkloster einen Ort der Kultur, der Stille.<\/p>\n<p>Dort befinden sich das Schlossmuseum, ein Weinmuseum, die Kirche und eine der bedeutendsten und wertvollsten privaten Bibliotheken der Welt. Mit dieser wollen wir uns besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die Bibliothek in Peralada\u00a0wurde w\u00e4hrend der gr\u00e4flichen Vergangenheit des Ortes gegr\u00fcndet. Sie befindet sich im Karmeliterkloster aus dem vierzehnten Jahrhundert, dort, wo einst die M\u00f6nchszellen und die Hauptwohnung des Abtes ihren Platz hatten.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert ging das Schloss und das Kloster in den Besitz der Familie Rocaberti \u00fcber. Antoni de Rocaberti, Graf von Zavella, und Tomas de Rocaberti, Graf von Peralada\u00a0und bis dahin spanischer Botschafter in Paris, lebten fortan st\u00e4ndig in Peralada\u00a0und gr\u00fcndeten die Bibliothek im Jahr 1888. Sie unterhielten dort ebenfalls eine Schule f\u00fcr Theater und Musik; diese gl\u00fcckliche Epoche endete aber Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit dem Tod der beiden Br\u00fcder, die keine Nachfahren hinterlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bis ins Jahr 1923 blieb der Besitz ohne Besitzer und schien dem Verfall geweiht, bis Miquel Mateu im Jahr 1923 den gesamten Komplex \u00fcbernahm. Er unternahm sofort aufwendige Restaurierungsarbeiten, gab der Bev\u00f6lkerung des Dorfes Arbeit und k\u00fcmmerte sich um den Fortbestand der Bibliothek. Damals umfasste diese 20.000 Werke, heute sind dort \u00fcber 70.000 B\u00fccher zu besichtigen, viele davon, wenn nicht die meisten, von unsch\u00e4tzbarem Wert. Fand sich Mateu, Sammler aus Passion, zu einem offiziellen Essen ein, so nahm er selbst die Men\u00fckarte mit und archivierte sie in der Bibliothek.<\/p>\n<p>Eine besonders gro\u00dfe Leidenschaft entwickelte Mateu f\u00fcr die Ausgaben von &#8220;Don Quichote&#8221; des Nationaldichters Miguel de Cervantes. \u00dcber 1000 &#8220;Don Quichotes&#8221; sind unter den Sch\u00e4tzen der Bibliothek, selbst aus so entfernten L\u00e4ndern wie dem einstigen Russland.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wurde Mateu durch den Archivar Marti Costa. Dieser, Arbeiter und einfacher Mann aus dem Volk, eignete sich als Autodidakt s\u00e4mtliches Wissen \u00fcber bibliothekarische Techniken an und f\u00fchrte das Archiv bis ins Jahr 1985.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-20407\" src=\"https:\/\/cbrava.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/biblio-peralada2.jpg\" alt=\"biblio-peralada2\" width=\"300\" height=\"207\" \/>Die Bibliothek befindet sich im S\u00fcdostteil des Klosters; zwei S\u00e4le sind der Bibliothek gewidmet, zwei dienen als Archiv.<\/p>\n<p>Die Auswahl der in der Bibliothek der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglichen B\u00fccher geschieht nach Themen (Geschichte, Kunst, Gebr\u00e4uche) und nach Wert und Seltenheit der Exemplare. Einige Gattungen sind ausgespart, ohne deren Wichtigkeit in Frage stellen zu wollen: Bibeln, B\u00fccher \u00fcber Musik oder Kinderb\u00fccher.<\/p>\n<p>Zu den wertvollsten Exemplaren der Bibliothek z\u00e4hlen rund 200 Titel aus dem Beginn der Buchdruckerkunst im 15 Jahrhundert. Erinnern wir uns: Die Geschichte dieser Kunst begann etwa im Jahr 1455 in Mainz: Johannes, Sohn des Patriziers Friele Gensfleisch, nach seinem Haus &#8220;zum Gutenberg&#8221; genannt, erfindet den Druck mit beweglichen Lettern. Die erste Druckerei in Italien etabliert sich im Jahr 1463, in Frankreich 1470, und in Spanien (Valencia) im Jahr 1473.<\/p>\n<p>Die Bibliothek von Peralada\u00a0beherbergt aus dieser Zeit Werke, die in Basel, Venedig, Rom, Florenz, Neapel, N\u00fcrnberg, Augsburg, K\u00f6ln, Paris, Lyon und Ulm hergestellt wurden. Das \u00e4lteste vorhandene Buch tr\u00e4gt den Titel &#8220;Sermons de Robertus Caracciolus&#8221; und wurde von Francisco de Formis im Jahre 1472 in Venedig gedruckt. Die Themen dieser Werke sind meist religi\u00f6ser Art: &#8220;Malleus Maleficarum&#8221; von Erich Institor, N\u00fcrnberg 1494-97, &#8220;Practica&#8221; von Joannis Miquel Savonarola, Venedig 1497. Und die ber\u00fchmte &#8220;Cosmographie&#8221; des Claudio Ptolemee aus dem Jahr 1492, eines der am aufwendigsten illustrierten B\u00fccher der Bibliothek, mit Weltkarten, die noch nichts von der Existenz der &#8220;neuen Welt&#8221; Amerika<\/p>\n<p>wussten. Auch das &#8220;Tiber Chronicarum&#8221; gedruckt von Hartmann Schedel 1493 in N\u00fcrnberg, fasziniert durch sein Format und seine Kupferstiche.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-20412\" src=\"https:\/\/cbrava.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/biblio-peralada3.jpg\" alt=\"biblio-peralada3\" width=\"290\" height=\"194\" \/>Bestandteil der Bibliothek sind weiterhin 1300 Manuskripte, 800 davon befassen sich mit dem Adel: Stammb\u00e4ume, Vertr\u00e4ge, auch Steuererleichterungen; allesamt von unsch\u00e4tzbarem Wert f\u00fcr die Geschichtsschreibung. Sie sind oft auf Pergament, aber auch schon auf Papier abgefasst und in Leder oder Stoff gebunden. Wir finden hier die wichtigsten Familien des katalanischen Adels vertreten; das \u00e4lteste Manuskript wurde von K\u00f6nig Juan von Kastilien im Jahre 1460 der Familie Mayoras zugeteilt.<\/p>\n<p>Eine korrekte Aufz\u00e4hlung des Bestandes der Bibliothek w\u00fcrde unseren Rahmen sprengen, aber wir wollen nicht die Sektion der einst von der Zensur verbotenen B\u00fccher vergessen. Zum Beispiel das die K\u00f6nigin MarieAntoinette diffamierende Buch mit dem Titel &#8220;Essais historiques sui la vie de Marie-Antoinette d&#8217;Autriche, reine de France&#8221; (historische Studien \u00fcber das Leben der Marie-Antoinette von Osterreich, K\u00f6nigin von Frankreich), publiziert (wahrscheinlich) in London im Jahr 1789. Wahrscheinlich? Oft wurden B\u00fccher, deren Inhalt entweder den geistlichen oder weltliche hohen Herren zu missfallen drohten, mit absichtlichen Fehlern versehen, um den Eindruck zu erwecken, das Buch sei im Ausland gedruckt worden&#8230;<\/p>\n<p>Die zensierten B\u00fccher besch\u00e4ftigen sich mit diversen Themen: Literatur wie etwa die Fabeln von La Fontaine, Religi\u00f6ses mit ketzerischem Inhalt oder aber anatomische Illustrationen, die als obsz\u00f6n qualifiziert wurden.<\/p>\n<p>Die Bibliothek in Peralada\u00a0zeigt uns nicht nur B\u00fccher aus allen vier Ecken Europas, sie erinnert uns auch an unsere kulturellen Wurzeln; und dem Bibliophilen vermittelt sie einen Eindruck von Sch\u00f6nheit und W\u00fcrde, der an sich schon unbezahlbar ist.<\/p>\n<p>Wir empfehlen unseren Lesern in jedem Fall uneingeschr\u00e4nkt die F\u00fchrung in Peralada, auch (oder besonders) mit Kindern oder Halbw\u00fcchsigen: Nur Shows und bl\u00f6des Gerede im Fernsehen, das kann doch nicht alles sein im Leben.<\/p>\n[cetsEmbedGmap src=http:\/\/maps.google.es\/maps?f=q&amp;source=s_q&amp;hl=es&amp;geocode=&amp;q=castell+de+peralada+girona&amp;sll=41.478747,2.176666&amp;sspn=0.214005,0.370789&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Castell+de+Peralada,+C%2F+SANT+JOAN,+S%2FN,+17491+PERALADA,+GIRONA&amp;ll=42.306261,3.011627&amp;spn=0.211251,0.370789&amp;t=p&amp;z=11 width=350 height=425 marginwidth=0 marginheight=0 frameborder=0 scrolling=no]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peralada ist nicht nur ein Ort der Zerstreuung mit Casino oder Golfplatz, es beherbergt auch im ehemaligen Karmeliterkloster einen Ort der Kultur, der Stille. 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