Der Baix Empordà

Die Kalksteinfelsen der Sierra de Montgri bilden die natürliche Grenze zwischen dem Alt (hohen) und dem Baix (tiefen) Empordà. Der Baix Empordà ist mit 700 Quadratkilometern zwar um einiges kleiner als der Alt Empordà (1342), weist aber mit zirka 90 000 Einwohnern eine ähnliche Einwohnerzahl wie der Alt Empordà auf. Ist das Hinterland des Alt Empordà eher hügelig bis gebirgig, so dominieren im Baix Empordà eher sanfte, geschwungene Landschaften. Die Küste ist abgesehen von dem langen und sehr attraktiven Sandstrand an beiden Seiten der Mündung des Rio Ter, der „platja de pals“, aber eher felsig mit vereinzelten kleinen Buchten.

An der Küste wartet der Baix Empordà gleich an seinem Beginn mit einer bemerkenswerten Attraktion auf, den vor L’Estartit gelegenen Medes-Inseln (Illes Medes): Diese sind seit dem Jahr 1932 unbewohnt; damals verließ der letzte Leuchtturmwärter die größte Insel Meda Gran, der Leuchtturm wurde hinfort automatisch betrieben. Das Archipel mit seinen sieben Inseln ist seit dem Jahr 1990 auf einer Fläche von 21,5 Hektar Naturschutzgebiet, ein Paradies für Unterwassersportler. Es ist in dieser Zone strikt untersagt, Meerestiere und Pflanzen zu entnehmen und so hat sich dort im Laufe der Jahre Fauna und Flora regeneriert.
Medes-Inseln  

In den zahlreichen Höhlen, Grotten und Riffen verbergen sich Schalentiere, Fische und Pflanzen, die anderorts nur mehr selten anzutreffen sind. Fotos von Tauchern bei den Medes-Inseln, die riesige Fische förmlich zu streicheln oder zu füttern scheinen, sind weder Fotomontagen noch Erfindungen von PR-Managern der Region, sondern schlicht Realität. Estartit selbst, einst mehr oder weniger der Hafen von Torroella de Montgri, hat sich Laufe der Jahre zum wichtigen Tourismuszentrum gemausert, mit den entsprechenden Angeboten, aber auch noch einem hübschen Altstadtkern um die plaça de l’églesia.

Ein besonderer Anziehungspunkt und dementsprechend gut besucht ist das Städtchen Pals mit seinem perfekt restaurierten, mittelalterlichen Ortskern.

Es folgt Begur; auf einem Felsen hoch gelegen, wird das hübsche Küstenstädtchen besonders von den Barcelonesen sehr geschätzt. Mehrere kleine und nur vorsichtig besiedelte Buchten (La Tuna, Sa Riera, Aiguablava) in der unmittelbaren Nähe des Ortes sorgen für mediterranes und sehr individuelles Strandvergnügen.
  La Tuna

Das im Land liegende Palafrugell empfängt den Tourismus ebenfalls mit am Meer gelegenen, verträumten Ortsteilen: Tamariú, Llafranc und Calella de Palafrugell.

Die Ortsteile am Meer um Begur und Palafrugell sind sehr pittoresk direkt an die Küstenlinie, meist förmlich um einen Strand herum gebaut. So wundert es kaum, dass im Hinterland dieser Orte zahlreiche Urbanisationen entstanden sind. Allerdings sind diese so diskret gestaltet und in Pinienhainen quasi versteckt, dass man sie oft erst auf den zweiten Blick als solche erkennt. Betonsilos mit preisgünstigen Mietwohnungen wird man hier nicht finden, wer hier seine Ferien verbringen möchte, sollte sich auch außerhalb der Saison rechtzeitig um ein Quartier kümmern.
Llafranc  

Palamós mit seinen knapp vierzehntausend Einwohnern durfte sich ab dem 13 Jahrhundert „königliche Hafenstadt“ nennen, das Meer ist auch heute noch Mittelpunkt des Interesses seiner Bevölkerung.

Abgesehen von der kleinen und sehr hübschen Altstadt findet man aber sehr wenig historisches, Palamos wurde während des spanischen Bürgerkrieges weitgehend zerstört und der Wiederaufbau ging ohne großen architektonischen Anspruch vor sich. Der Sandstrand vor Palamos ist breit und gepflegt, der Sporthafen ist gut ausgerüstet und der Fischereihafen mit seinen Versteigerungen und dem Fischereimuseum immer ein Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen.
Palamós  

Der nächste Küstenort, Castell Platja d’Aro, ist das größte Touristenzentrum des Baix Empordà mit all den Vor- und Nachteilen eines solchen: Hotels, Apartmenthäuser, Bars und Boutiquen dominieren das Stadtbild, das Freizeitangebot ist nahezu unbegrenzt. Das administrativ zu Castell Platja d’Aro gehörende S’Agaro ist hingegen seit jeher eine Stätte des gediegenen Luxus. Traumvillen reihen sich an Luxushotels auf den Felsen entlang des Meeres, der Besuch ist für Besucher nur zu Fuß gestattet.

Sant Feliu de Guíxols ist eine eigenständige Stadt mit langer Geschichte. Touristen sind hier zwar durchaus willkommen, aber sie bilden kaum ihre einzige Einnahmequelle. Wer einen ruhigen Urlaub verbringen möchte und trotzdem nicht auf städtisches Leben verzichten möchte, ist hier sicher gut aufgehoben.
  Sant Feliu de Guíxols
In Sant Feliu de Guíxols endet die Küste des Baix Empordà, hier beginnt „La Selva“. Wer auf einem Ausflug bis nach Sant Feliu de Guíxols gekommen ist, sollte allerdings nicht versäumen, die Küstenstrasse bis nach Tossa de Mar zu befahren. Landschaftliche Schönheit ist zwar ein durchaus relativer Begriff, aber die Strasse gilt nicht zu Unrecht als der schönste Küstenabschnitt der spanischen Mittelmeerküste.
Tossa de Mar  

Auch das Hinterland der Küste des Baix Empordà bietet Sehenswertes. Die Hauptstadt La Bisbal d’Empordà ist besonders durch ihre traditionsreiche Keramikfabrikation bekannt, in Torroella de Montgri lohnt sich ein Bummel durch die hübsche Altstadt. Das Dalí-Museum im Schloss Púbol ist immer einen Besuch wert, allerdings nur ab Ostern bis Ende Oktober geöffnet.

Wer die mittelalterlichen Städtchen Pals oder Peratallada besuchen möchte, sollte sich hierfür besser einen Wochentag aussuchen, an den Wochenenden werden diese restaurierten Ortschaften sehr stark frequentiert. Will man noch weiter in die Vergangenheit zurückschauen, so empfiehlt sich ein Besuch der Ruinen von Ullastret.

Peratallada  
Oder man geht einfach auf Entdeckungsreise und findet dann durchaus ebenfalls sehenswerte Ortschaften, die sich im Stadium der Renovierung befinden.

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